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Ungelesener BeitragVerfasst: So 1. Jan 2017, 21:45 
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Generalvertretungsleiter

Registriert: Mo 7. Jun 2010, 14:36
Beiträge: 2659
Die Karl Richtberg KG betrieb im südwestlichen Deutschland mehrere Säge- und Imprägnierwerke für Bahnschwellen und Telegraphenmasten, u.a. in Bingen-Gaulsheim und an der Strecke Hermeskeil-Trier in Reinsfeld.
Hier kam es bis zur Einstellung des Betriebes in den 1980er Jahren zu zahlreichen Störfällen, die aber von kommunalen Behörden, den Aufsichtsbehörden oder den Gerichten nicht zuletzt mit Rücksicht auf unternehmerische Belange weitgehend ignoriert wurden.

Bereits 1957 hat ein Zahnarzt aus Trier als Fischereipächter mehrere Klagen gegen den Betrieb angestrengt, die 1965 letztinstanzlich vom BGH abgewiesen wurden.
Ein verzweifelter Kampf eines besonnenen Intellektuellen gegen die tumbe Land- und Ignorantenmafia, der es nie um die ihnen anvertrauten Menschen, sondern nur um Pöstchen, persönliche Vorteile und um Seilschaften ging.

Die Richtbergs, die ich persönlich noch erlebt habe, u.a. als Grundstücksnachbar in Bingen-Gaulsheim in den 1990ern und als Langholzfahrer in den 1980ern, kann man getrost als Umweltverbrecher erster Klasse bezeichnen.
Ihnen ging es nur um Profit, notfalls auf Kosten von Menschenleben.

Ich habe dieses Dokument hier mal für die historisch Interessierten eingestellt.
Ein Stück Feudalismus des 18.Jahrhunderts im Jahre 1965.

https://www.jurion.de/urteile/bgh/1965-07-06/v-zr-61_63

Noch ein Nachtrag zu den Sägewerken im Hunsrück.
Zwischen Langenlonsheim und Trier (Ruwertalstrecke) lagen 10 große und mittlere Sägewerke, aber auch zwei Imprägnier- und Kyanisierbetriebe (Richtberg in Reisfeld und Hammerstein in Thalfang) direkt an den Strecken der Hunsrücker Bahnen. Zumeist mit eigenem Gleisanschluß. War auch der Personenverkehr zuletzt äußerst bescheiden, der Ganzzug-Güterverkehr hielt sich noch bis in das Jahr 2001 (Mettler, Kunz und Decker in Morbach) recht wacker, bis auch hier die DB Schluß machte und 500 Tonnen Fracht täglich auf die Straße schickte.

Bild

Fluch und Segen der Industrialisierung:
Das Säge- und Imprägnierwerk Hammerstein, später Richtberg in Reinsfeld im Jahre 1936. Direkt am Dorf bot das Werk wohnortnahe Arbeitsplätze, dafür wurde der Grund und Boden selbst dort, wo Menschen lebten und z.B. in Hausgärten Obst und Gemüse anbauten, langfristig verseucht.
Man erkennt vorne rechts das Hauptgleis der Ruwertalbahn und auf dem Abstellgleis K-Wagen, von denen der erste ein Bremserhäuschen besaß, das wegen der Streckentopographie hinunter nach Trier auch nötig war.
Hier werden in Handarbeit Bahnschwellen verladen, hinten links die Stapel mit frisch imprägniertem Nachschub, der hier unter freiem Himmel trocknet und "abtropft".
Heute ist alles abgebaut.
In den 1990er Jahren wurde das Gelände aufwendig saniert.

Bild
In Thalfang, hier ein Bild von 1936 (rechts führt die Hunsrückbahn vorbei), wurden hauptsächlich Telegraphen- und Strommasten hergestellt.
Sie wurden -anders als Schwellen, die mit Teeröl getränkt wurden- "kyanisiert".
Dieses Verfahren, das sich 1823 John Kyan in England patentieren ließ, sah vor, in das Holz unter 7 bar Druck ein Quecksilberchlorid-Sublimat einzupressen.
Noch heute, über 40 Jahre nach der Stillegung des Thalfanger Werkes sind weite Teile des ehemaligen Werksgeländes verseucht und nicht nutzbar. Aus mehreren Beoachtungsbrunnen wird regelmäßig belastetes Grundwasser entnommen und untersucht.
Teeröl wird in den oberen Bodenschichten gebunden und kann mit dem abgetragenen Boden einigermaßen kostenmäßig überschaubar entsorgt werden, Quecksilber hingegen verseucht den Boden auch in tiefere Sichten hinein - ein sprichwörtliches Faß ohne Boden.

_________________
Heinrich von Hirschfeld: Der Verstand wächst mit seiner Beanspruchung.Ob Philosophie, Philantropie oder Phimose: Die Basis jeder Grundlage ist das Fundament


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