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 Betreff des Beitrags: Reisebericht GB 2016 kompakt Teil 5
Ungelesener BeitragVerfasst: Mo 26. Dez 2016, 15:16 
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Der nächste Tag war "mobilitätseingeschränkt". Wir hatten einen Freitag zu überbrücken, an dem wir kein Auto, aber auch keinen verfügbaren BritRail-Paß-Tag hatten, alle 8 Tage waren schon fest verplant. Also blieb nur die Wahl zwischen:
a) In Bristol bleiben, oder
b) Irgendwo hin mit einem Einzelticket fahren
Da das Wetter in der Region wieder mal mäßig gerufen war (Bristol war an allen Tagen "verschlonzt", nur an unseren Tourzielen war schönes Wetter gewesen), und längere Strecken in UK richtig teuer werden, einigten wir uns auf "Kultur".

Ich wollte im Mai schon mit Sandra mal hin gefahren sein, aber leider war die Zeit zu knapp, also sollte es jetzt eine Stadtrundfahrt mit den kleinen "Bristol Ferries" und ein Besuch der *S.S. Great Britain* (lieber mal mit Punkten schreiben, sonst schrillen bei Maasmännchen & Co wieder alle Alarmglocken :lol: ) sein, wozu es bei Wolle wenig Überredungskunst brauchte.

Und so erkundigten wir uns online über die Fahrpläne, und standen nach kurzem Fußweg am Anleger "Temple Quai", der ein wenig an eine Straßenbahnhaltestelle erinnert...
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...und bald schon kam unser Bötchen angetuckert...
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"Kreuzung auf freier Strecke"...im Hintergrund ragen bereits die Masten der "Great Britain" empor...man beachte "Gromit" am Bug des Ferryboats als Remineszenz an die in Bristol ansässigen Aardman Studios, wo die tollen Knetfigurenfilme unserer Zeit entstehen. Wer kennt sie nicht? Wallace & Gromit, Chicken Run, Shaun das Schaf usw.
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Wir gingen "an Land", lösten im Shop unsere Eintrittskarten im Stil eines alten Passagetickets mit einer Art Schnitzeljagd (Man kann einzelne Stationen beim Rundgang abstempeln), und betraten durch die gläserne Tür zum "Hafenareal" eine andere Epoche....liebevoll bis ins kleinste Detail (Pferdeäpfel hinter der Kutschpferdattrappe) wurden hier Szenen aus den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts nachempfunden, die "echten" Möwen dazwischen lieferten eine sehr authentische Stimmung.
Nun zur *S.S. Great Britain*:
Der große Ingenieur Isambard Kingdom Brunel machte vor allem durch den Thames Tunnel (Einst als Fußgängertunnel geplant und gebaut, heute von London Overground noch als Bahntunnel genutzt), viele Bahnprojekte im Südwesten und der Mitte Englands und Südwales sowie durch bemerkenswerten Schiffs- und Brückenbau von sich Reden.
Die "Great Britain" lief im Sommer 1843 in den "Great Western Docks" zu Bristol vom Stapel, ging jedoch erst nach zweijähriger Testphase auf Jungfernfahrt von Liverpool nach New York. Eigens für das Schiff wurden zwei baugleiche (gespiegelte) Dampfmaschinen mit 500 PS entworfen, deren Schwungrad über einen Kettenantrieb und eine Welle den neuartigen sechsflügligen Propeller antrieb. Eine weitere Besonderheit was das ausgruppierbare und aus dem Fahrwasser hochziehbare Propellerrad, was Fahrten unter Segeln und ohne Widerstand durch den stillstehenden Propeller erlaubte. 120 Erste- und 132 Zweite-Klasse-Kabinen wurden auf dem fast 100 m langen und über 15 m breiten Schiff untergebracht. Schon ein Jahr später - mit dem Auflaufen auf eine Sandbank und dem Konkurs der Reederei - begann ihre wechselvolle Geschichte, zunächst als Auswanderer- und Truppentransportschiff. 1882 verlor sie ihre Dampfmaschine, als sie zum reinen Segelschiff "rückgebaut", und als Kohlefrachter genutzt wurde. Ein Brand brachte ihr einen weiteren Karriereabstieg, der sie 1886 zum schwimmenden Kohlebunker auf Falkland degradierte. 1939 wurde ihr Rumpf gefleddert, um die "HMS Exeter" notdürftig für eine Überfahrt ins Dock nach England zu reparieren, die im Seegefecht mit der deutschen "Admiral Graf Spee" Federn gelassen hatte.
Schließlich erkannte man 1970 den historischen Wert des Schiffes, das man mittlerweile kaum als mehr als einen Haufen schwimmenden Schrotts bezeichnen konnte, und brachte es in einer aufwendigen Rettungsaktion per Schleppern und Pontons nach Bristol, wo sie heute nach Originalplänen restauriert in ihrem einstigen Baudock eine hochkarätige Touristenattraktion darstellt. Wie schon in der Ankündigung erklärt, sieht es aus, als würde sie immer noch im Wasser schwimmen, der Eindruck täuscht jedoch, das sieht man, wenn die Reinigungskräfte mit normalen Gummistiefeln das Panzerglas unter der nur wenige cm tiefen Wasserschicht reinigen. Unter dem Panzerglas herrscht im hermetisch abgedichteten Dock eine konstante Temperatur und Luftfeuchte, gehalten durch eine Heizungs- und Lüftungsanlage mit ausgeklügelter Technik, so wird weitere Korrosion und Zerfall des Original Rumpf-Torsos verhindert, auf dem alles neu aufgebaut wurde. Doch nun kommt mit in die Zeit, als Auswanderer über den Teich gen Westen gingen...

Hier beschreiten wir das Oberdeck, das auf dem Atlantik sicher nur bei bestem Wetter vergnüglich zu bewandern war:
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Ein flüchtiger Blick in eine 1.-Klasse-Kabine. Also wer sich damals auf Reisen mit Übernachtungen begab, durfte kein Riese sein.
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Bei dieser Gelegenheit bitte ich auch um Entschuldigung für die Bildqualität - mehr war trotz maximalem Weitwinkel und "In-die-Ecke-Quetschen" kaum drin. Luxus Pur in einer 1.-Klasse-"Suite":
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Und wen eine gefährliche Krankheit plagte, der wurde in seiner Kabine einfach eingeschlossen..."isoliert"...
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Derweil konnten sich die gesunden Passagiere die Fahrtdauer mit einer lustigen Sonderbauart des Roulettes vergnügen, dem "Nut Spinner"
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Dieses Exemplar stand im opulenten Speisesaal der 1. Klasse. Man beachte die Bänke...Gemeinsamkeiten mit denen eines Schienenbusses sind rein zufällig:
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Und wo ein Speisesaal ist, kann die Kombüse nicht weit sein - auch diese bis ins Detail nachgebildet. Man beachte die "recht hell beleuchteten" Vorratsschränke an der Wand links im Bild....weiter unten mehr dazu...
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Selbst das "glühende" Kohlefeuer ist täuschend echt - bis auf die Wärmestrahlung - nachgebildet.
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Auf dem vorletzten Bild durch das Hängegerüst für Töpfe und Pfannen verdeckt ist diese Katze auf dem Vorratsschrank. Aus verdeckten Lautsprechern kommt eine atmosphärische Geräuschkulisse. Das Singen des Kochs, das Mauzen und Schnurren der Katze (die auch die ganze Zeit den Schwanz bewegt) - und das Trappeln der Ratten in den (s.o.) hell erleuchteten Vorratsschränken. Tatsächlich sind es kleine Monitore hinter den Schranktüren, auf denen die Silhouetten von Dosen und Schachteln - sowie von ein paar Ratten zu sehen sind. Alle Nase lang wird das Singen durch ein Kommandogeschrei des Kochs an die Katze unterbrochen, gefolgt durch bösartiges Mauzen und Fauchen, dann verschwinden die Ratten für kurze Zeit...sehr schön gemacht.
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Gleich geht's weiter...

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„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
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Ungelesener BeitragVerfasst: Mo 26. Dez 2016, 16:12 
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Setzen wir unseren Rundgang durch die alte Lady fort...
In der zweiten Klasse ging es schon etwas beengter zu. Auf dem Raum eines Bades an Bord eines modernen Kreuzfahrtschiffes teilten sich 4 Personen Schrank und Bett...
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Auch der Aufenthalts- und Speiseraum kam da schon wesentlich "rustikaler", um nicht zu sagen "spartanischer" daher:
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Das Personal mußte derweil mit Großraumunterbringung Vorlieb nehmen.
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Gepäck- und Ladungssicherung Anno 1845:
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Auch Weitwinkel und maximaler Abstand lassen die imposanten Ausmaße der Dampfmaschinenanlage, welche mit geringer Geschwindigkeit bewegt wird, damit man die Arbeitsweise der nachgebildeten Maschine erahnen kann, nur erahnen...
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Gleich nebenan liegen die nicht minder imposanten Kesselanlagen....
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Auf der Krankenstation war es relativ ruhig, der Schiffsarzt protokollierte gerade den Gesundheitszustand des einzigen Patienten:
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Der spartanische Steuerstand des Maschinisten - der Regler einer der beiden Maschinen ist in der Ecke erkennbar, und über den Messingtrichter oben rechts kamen die Kommandos von der Brücke...
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Auch eine Bäckerei gab es an Bord, geradeaus der Ofen, rechts zu erahnen das Regal, in dem das frische Brot abkühlen konnte:
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Trotz grauen Himmels mußte doch noch ein Bild des altehrwürdigen Schiffes (wenn auch nur eine fast vollständige Rekonstruktion) sein:
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Nach unserer anschließenden Rundfahrt zu Wasser und per Pedes kamen wir wieder am Temple Quai an, wo die "Brigantia" mit Gromit an Bord auf Fahrgäste einer Themensonderfahrt wartete:
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Zurück im Hotel mußte ich dann doch mal ein Bild meiner "Elektroskulptur" machen. Anders als durch den Erwerb eines britischen Vierfachsteckers konnten wir das Problem der "verbauten" Steckdosen nicht umgehen. Was mir jedoch ganz gut gefällt, ist die geringe Höhe einer britischen Mehrfachsteckdose - wenn man nicht unzählige Adapter draufbaut....
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Anschließend war Kofferpacken angesagt, am nächsten Tag sollte das Land einmal komplett durchmessen werden - der Standortwechsel nach Aberdeen stand an. Mal wieder mit dem HST sollte die große Distanz ab London überbrückt werden, da XC nur eine umsteigefreie 11-Stunden-Fahrt im Voyager anbot. Wir erinnern uns - Geräuschkulisse wie im 612 und Wandplätze in der 1. Klasse....nein Danke! Dann lieber den Umweg über die Hauptstadt - für die Tube hatten wir in diesem Jahr eine Oyster-Card.

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Ungelesener BeitragVerfasst: So 5. Mär 2017, 17:44 
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Da sich unsere Forensoftware und mein Bildhoster nach wie vor nicht vertragen, der >Fortschaltungslink zu Teil 6< in einem eigenen Beitrag...

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