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Ungelesener BeitragVerfasst: Mo 30. Okt 2017, 15:11 
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Lokführeranwärter
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Registriert: Fr 4. Nov 2011, 16:01
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Hallo,

ein paar Tage später als eigentlich geplant, kommt nun die letzte Etappe:

Teil 4: Schottland und Rückreise

Der Mittwoch begann sehr früh, da ich ja nach Mallaig fahren wollte. Auf dem Weg zum Bahnhof Glasgow Queen Street warf ich ein paar Postkarten ein (die dann übrigens schon Freitag ihr Ziel erreichten) und besorgte noch etwas zum Frühstück.
Der Bahnhof Glasgow Queen Street ist von der Straße aus gesehen unauffällig und der Weg dorthin erinnert leicht an London Euston. Im Sommer 2016 wurde der Bahnsteigbereich in der Bahnhofshalle umgebaut – die Bahnhofshalle war nicht zugänglich und durch ein Loch in der Bretterwand konnte man nur ein Schlachtfeld von Baustelle sehen.
Währenddessen fahren alle Züge im unterirdischen Teil ab, zu dem man aber ganz gut geleitet wird. Nach kurzer Wartezeit fuhr der Zug nach Mallaig ein, gebildet aus 3x Class 156. Der Zug wird auf der Strecke nach Fort William in Crianlarich getrennt und einer der drei Triebwagen verlässt den Rest-Zug in Richtung Oban.
Die West Higland Line führt wie der Name schon sagt durchs schottische Hochland und vorbei an zahlreichen Lochs. In Fort William wird der zwischenzeitlich eher luftig besetzte Zug dann voll und ist fast bis auf den letzten Sitzplatz besetzt. Ich hatte ja zwischenzeitlich an der Notwendigkeit der Sitzplatzreservierung gezweifelt, aber nun war ich sehr froh drum. Beladen vor allem mit massig Senioren ging es nun weiter bis Mallaig. Die Strecke ist sehr schön und lohnenswert. Einer der Höhepunkte ist das Glenfinnan Viaduct, auch bekannt aus den Harry Potter Filmen.
In Mallaig war es leider am Regnen. Auf dem Gleis gegenüber stand der Dampfzug „The Jacobite“, der dort im Sommer regelmäßig verkehrt.
Neben dem Fähr- und Fischereihafen bietet Mallaig eigentlich nicht allzu viel, so dass ich angesichts des Dauerregens dann wieder ganz froh war, als man endlich in den Zug zur Rückfahrt einsteigen durfte. Die war dann auch wieder sehr schön, aber man ist nach einem Tag im Zug dann doch ganz froh, wenn man in Glasgow ankommt und sich wieder frei bewegen kann.

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Bild 85 und 86: Glenfinnan Viaduct und kurz darauf die Aussicht vom Viadukt

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Bild 87 und 88: Blick vom Loch nan Uamh Viaduct (benannt nach der Bucht) und Zug in Mallaig

Für den Donnerstag hatte ich mir zwei Ziele überlegt. Von Glasgow Queen Street fuhr ich zunächst nach Edinburgh. Von dort wollte ich nun die im vergangenen Jahr wiedereröffnete Waverley Line nach Tweedbank befahren. Die Strecke wird unter dem Namen Borders Railway vermarktet und wurde aufwändig reaktiviert. Die Züge, Typ Class 158 fahren im Halbstundentakt. Nach einer angenehmen Fahrt, lief ich vom Endpunkt mal zu Fuß zur nächsten Station Galashiels zurück und fuhr dann wieder nach Edinburgh zurück.

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Bild 89: Zwischendurch mal einen Zug von der Winston Road bei Langlee fotografiert. Scotrail 158871 erreicht bald den Endpunkt der Strecke in Tweedbank.

Der Triebwagen war dieses Mal mit dem neuesten Innendesign von Scotrail versehen und verfügte über ein gut funktionierendes WiFi. Leicht abgelenkt vom Smartphone erreichte ich dann Edinburgh und sichtete dort ein paar abgestellte Loks die fotografiert werden mussten.

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Bild 90: Freightliner 90047 stand in Edinburgh Waverley abgestellt. Die Lok trägt größtenteils noch den Lack aus Zeiten von Railfreight (der Güterbahn von British Rail).

Für Tagesziel 2 musste ich nun wieder nach Glasgow zurückfahren. Nachdem ich mein iPad zu möglichen Zügen befragt hatte, nahm ich einen Zug über die gleiche Strecke wie auf der Hinfahrt. Diese Strecke wird derzeit elektrifiziert, aber noch fahren dort Class 170. Der Zug drehte aufgrund der Bauarbeiten am Bf Glasgow Queen Street eine Runde um Glasgow, um dann von Westen durch den Innenstadttunnel via Charing Cross in den Tiefbahnhof von Queen Street einzufahren. Der Zug fährt von dort dann im Anschluss wieder direkt nach Edinburg zurück.
Ich ging kurz zum Hotel zurück, wechselte mein Gepäck und machte mich auf in die Innenstadt. Mein Ziel Nummer Zwei war nämlich die Subway. Die Subway ist die U-Bahn von Glasgow, sie fährt in einem Ring in beide Richtungen einmal durch bzw. um die Innenstadt. Die Fahrt dauert etwa 25 Minuten. Sie ist die drittälteste U-Bahn nach den Systemen in London und Budapest und fährt seit jeher unverändert im Kreis.
Eine All-Day Karte kostet £4 und kann man am Automaten oder Schalter kaufen. Nachdem ich kurz auf dem Automat herumgedrückt hatte, zog ich den personalbedienten Verkauf vor und holte mir meine Karte bei dem freundlichen Herren am Schalter. Die Subway hat Bahnsteigsperren und nutzt ähnliche wie die Londoner Underground kontaktlose Chipkarten („Smartcard“) als Fahrkarten. Kurzzeitfahrkarten werden als Wegwerfchipkarte aus dickerem Papier mit eingeklebtem RFID-Chip verkauft.

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Bild 91: All-day-ticket

Die Treppe runter stand ich nun in einer Röhre mit schmalem Mittelbahnsteig. Als der erste Zug in die Station Cowcaddens einfuhr, musste ich erst mal leicht grinsen, denn die Fahrzeuge der Subway sind recht klein, und sehen aus wie eine niedliche Version der tiefen Underground-Linien Londons aus. Die Subway in Glasgow ist allerdings überwiegend nicht besonders tief unter der Oberfläche unterwegs.
Ich fuhr nun einmal im Kreis, wobei der erste Zug nach ein paar Stationen endete und sich ins Depot verabschiedete. Dennoch war es dann lustig, nach einer Weile wieder da anzukommen, wo man eingestiegen war. Wer mal nach Glasgow kommt, sollte damit unbedingt mal eine Runde drehen ;) Die Subway wird in ein paar Jahren neue Züge von Stadler bekommen und soll später auf fahrerlosen Betrieb umgestellt werden. Dann werden wohl auch Stationen wie Cowcaddens umgebaut, so dass es keinen schmalen Mittelbahnsteig mehr geben wird, sondern Bahnsteige mit Glaswänden, wo sich nach Ankunft eines Zuges Türen öffnen. Wie man das umsetzt – ob mit zwei Bahnsteigen oder einem breiten, weiß ich nicht.

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Bild 92: Ein Zug der Subway fährt in der Station Bridge Street ein. Man vergleiche die Größe der Menschen im Hintergrund mit der Bahn :D

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Bild 93: Einstiegsbereich – mit Kopfstoßgefahr für größere Menschen.

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Bild 94: Innenraum

Nach einigen Fotos verließ ich die Subway wieder. Zwischenzeitlich hatte es ordentlich geregnet. Hab also oberirdisch nichts verpasst :D.

Nach der dritten Übernachtung in Glasgow hieß es für mich im Hotel check-out, denn am Freitag stand ein Standortwechsel an. Ich verließ das Hotel und betrat die Station Charing Cross um die Ecke.

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Bild 95: Besagte Station um die Ecke.

Nach ein paar Fotos fuhr ich nach Glasgow Queen Street. Von dort ging es dann über die gleiche Strecke wie am Donnerstag in Richtung Edinburgh. Vorzeitig verließ ich den Zug in Haymarket und wechselte in einen Zug Richtung Fife. In North Queensferry stieg ich wieder aus. Vom Bahnhof lief ich runter ans Ufer des Firth of Forth, um von dort einen Blick auf die imposante Bahnbrücke über den Firth of Forth zu werfen (über die man von Edinburgh kommend bereits drübergefahren ist). Nebenan gibt es noch eine Straßenbrücke und eine Baustelle für eine weitere Straßenbrücke. Leider war es ein wenig am Regnen, so dass ich nur ein paar Bilder machte und dann wieder hoch zur Station ging.

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Bild 96: Blick auf die Forth Bridge von North Quensferry aus

Ich fuhr dann wieder eine Station zurück (über die Brücke) nach Dalmeny. Dort wollte ich auch noch einen Blick von Süden auf die Brücke werfen. Der Weg den ich dorthin wählte führte zunächst durch ein schönes kleines grünes Tal und traf später auf die ehemalige Trasse der South Quensferry Branch, einer Anschlussbahn nach South Quensferry und Port Edgar. Unten angekommen war es dann nass und windig, so dass ich wieder nur schnell ein paar Bilder machte und dann zum Bahnhof zurücklief.

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Bild 97: Und von der anderen Seite, am Hafen von South Queensferry

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Bild 98: Die Straßenbrücken nebenan, die hintere ist im Bau. (und wurde Anfang September 2017 eröffnet)

Mit dem nächsten Zug fuhr ich nach Kirkcaldy und stieg dort um in einen Zug nach Dundee. In Dundee hatte ich bereits ein Hotel gebucht, welches ich nun aufsuchte und mein Zimmer bezog.

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Bild 99: Blick aus meinem Zimmer. Der Virgin Trains East Coast - HST fährt nach London.

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Bild 100: Dem Zug nochmal nachfotografiert. Der führende Triebkopf ist von East Midland Trains ausgeliehen und weicht daher vom Farbschema des übrigen Zuges ab.

Nach einer kleinen Pause ging ich in die Stadt, aß noch etwas zu Abend und setzte meinen Weg dann in den Hafen fort. Dort liegt die HM Frigate Unicorn ein Schiff von 1824, welches nie richtig in Einsatz kam und als Reserve diente. Sie zählt zu den sechs ältesten erhaltenen Schiffen der Welt. Da sie nie aktiv im Einsatz war, bekam sie ein Dach über dem Oberdeck verpasst, welches sie bis heute trägt. Das sieht ein wenig seltsam aus, kann aber so als Museumsschiff besichtigt werden. Das Oberdeck wird zusätzlich als Veranstaltungsraum genutzt. Heute sollte dort ein Konzert der traditionellen schottisch-gälischen Band Dàimh stattfinden. Ich hatte die Gruppe im Januar mal auf BBC Radio Scotland gehört, und zufällig passte der Termin in Dundee mit meiner Reise zusammen… Das Konzert bei toller Atmosphäre auf dem Schiff war super. Wer mal reinhören möchte, das geht hier: https://daimh.bandcamp.com/album/the-hebridean-sessions

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Bild 101: HM Frigate Unicorn, Dundee. Um 21:53 Ortszeit dämmert es langsam.

Nach dem Konzert ging ich wieder zurück ins Hotel, machte noch ein paar Fotos von der Aussicht und tippte noch ein wenig auf dem iPad herum. Unterbrochen wurde die Ruhe irgendwann mal durch etwas, was sich nach Diesellok anhörte. Als ich aus dem Fenster blickte, konnte ich draußen eine Class 67 in den silbernen Farben von Chiltern Railways mit dem Caledonian Sleeper vorbeituckern sehen – wie schön. Den hätte ich auch nehmen können, um nach London zurück zu kommen, aber daran habe irgendwie nicht gedacht. Ich ging dann bald schlafen, denn am Samstag sollte es recht „früh“ weitergehen.

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Bild 102: Ein weiterer Blick aus dem Hotel. Die Brücke im Hintergrund ist das Gegenstück zur Bahnbrücke und dient dem Straßenverkehr.

Nach dem Aufstehen und dem Verlassen des Hotels ging ich mit einem kleinen Umweg an einem Greggs (Backwarenladen) in der Innenstadt vorbei zum Bahnhof. Dort musste ich noch ein wenig auf meinen Zug nach London warten. Der kam pünktlich und ich konnte meinen Sitzplatz, den ich bereits vor knapp zwei Wochen in London reserviert hatte einnehmen. Kurz nach der Abfahrt wurde ich mit Tee, O-Saft, einem Muffin und einem Jogurt versorgt. Die weitere Fahrt mit dem HST von Virgin Trains East Coast in der frisch aufgemöbelten 1. Klasse war sehr angenehm. Es ging erst mal gemütlich über die Fife, dann über die bekannte Brücke über den Firth of Forth nach Edinburgh. Dort füllte sich der Zug dann ganz gut, aber ich sollte nur zwischen Darlington und York einen Mitfahrgast an meinem Einzeltisch mit zwei Plätzen gegenüber haben. Die Fahrt über die East Coast Main Line nach London Kings Cross war recht kurzweilig, auch da der Zug ab York ohne Halt durchfuhr.

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Bild 103: Meine Sitzplatzreservierung, ich mag die schön kompakten britischen Fahrkarten.

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Bild 104: Frisch renovierte 1. Klasse im Virgin Trains East Coast HST.

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Bild 105: Blick auf die East Coast aus dem Zug nach London

Bevor ich mein Hotel in Greenwich aufsuchte, besuchte ich mal wieder den Ian Allan Bookshop nahe der Waterloo station. Später gab es noch ein letztes Mal Fish and Chips schräg gegenüber vom Hotel beim „Golden Chippy“. Der Verkäufer war nett und wünschte mir grinsend auf Deutsch „Guten Appetit“:D Die Portion war gut und lecker - kann man nur empfehlen.

Der folgende Sonntag war mein Abreisetag. Ich verließ das Hotel und fuhr mit der DLR und Northern Line zum Bahnhof St Pancras International. Lief der Check-in in Brüssel noch extrem schnell, dauerte es dieses mal ein wenig länger. Zuerst piepte es natürlich bei der Personenkontrolle und dann bog noch mein Gepäck zur Sprengstoffkontrolle ab. Der sehr ordentliche Mitarbeiter dort untersuchte meinen Rucksack, hatte aber nichts zu beanstanden.
Anschließend entledigte ich mich noch einem Haufen Kleingeld indem ich eine überteuerte Flasche Wasser kaufte und setzte mich dann in den Wartebereich. Die Fahrt nach Brüssel verlief störungsfrei, und auch der Umstieg in Brüssel zum ICE klappte gut. Von irgendwelchen Zugangskontrollen war nichts zu sehen. Der ICE war gut besetzt, aber ich hatte das Glück, einen nicht reservierten Fensterplatz zu finden. Von Köln nach Hennef fuhr ich dann mit dem RE9, bestehend aus der Dosto-Garnitur mit 120. Auf meinem Weg vom Bahnhof nach Hause war ich zunächst leicht irritiert, da die Autos nun wieder aus der anderen Richtung kamen, aber man gewöhnt sich an das eigentlich normale doch sehr schnell…

Bild 106: Zur Übersicht hier noch eine Karte:
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(größer: https://abload.de/img/karte_gb_2016umuwt.jpg)

Das war der Bericht von 2016. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

_________________
Gruß, Martin


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Ungelesener BeitragVerfasst: Sa 18. Nov 2017, 21:33 
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Lokführeranwärter
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Registriert: Di 13. Mai 2014, 21:11
Beiträge: 186
Vielen Dank für den Reisebericht vom wahrscheinlich schönsten Bahnland in Europa so lange es noch ein Geheimtipp bleibt...

Erinnert mich dran, dass ich über dieses Land auch noch einen Reseibericht erstellen muss...


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Ungelesener BeitragVerfasst: Mo 20. Nov 2017, 21:29 
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Lokführer

Registriert: Fr 18. Jun 2010, 17:05
Beiträge: 278
Hello !

Yes - die Riesenbrücke erkannte ich aus andren Berichten hier . Die "HP-Bridge" auch. Alles andere Neuland. Natürlich war meine Reise ´17 auch nur stichpunktartig. Aber auch hier wieder viel neues/anderes für mich herauszulesen.
Das Wetter war offenbar gleich. Mal Sonne und leider nicht immer wirklich trocken. Da haben wir z. B. Museumsbesuch gemacht.
Der orange Tatzelwurm gefällt mir, sieht wirklich sehr zutraulich aus. ;)
Bin nur 2 Stationen gut gefüllte Tube in London gefahren ( anfangs waren 3 geplant ). Wir sind die Tage danach dann lieber wieder Bus gefahren ...

Danke sehr für Deinen Bericht.
Allein die Karte finde ich wieder sehr übersichtlich und gut nachvollziehbar gemacht ! Klasse

MfG

André


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