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Ungelesener BeitragVerfasst: Do 9. Nov 2017, 13:19 
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Generalvertretungsleiter

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Vor 12 Jahren erwarben die Anliegerkommunen die stillgelegte Bahnstrecke Gerolstein-Prüm um sie zugunsten eines Radweges abzubauen. Allerdings hatte man die Entwidmung "vergessen" und so erstritt sich die Rhein-Sieg-Eisenbahn vor Gericht eine Betriebsgenehmigung.
Züge fahren lassen konnte die RSE aber dennoch nicht, einerseits da die Strecke erst befahrbar gemacht werden müßte und andererseits weil man sich mit den besitzenden Kommunen nicht auf eine Höhe der Pachtzahlungen einigen konnte.

Inzwischen hat der Landesbetrieb Mobilität beschlossen, wegen Baufälligkeit eine der Eisenbahnbrücken bei Lissingen abzureißen, will den Neubau aber nur in Auftrag geben, wenn die RSE dem Landesbetrieb 140.000 Euro hinterlegt, denn das entspricht der Wertsteigerung durch den Brückenneubau.

Parallel wurde in einem weiteren Verfahren der RSE die erteilte Betriebsgenehmigung wieder entzogen, weil in drei Jahren keine Maßnahmen zur Herstellung der Befahrbarkeit zustande gekommen sind.
Dagegen hat die RSE nun Widerspruch eingelegt.

Hier wird mal wieder der ganze Bahnreform-Schwachsinn deutlich, der sich aus der juristischen Trennung zwischen EVU und EIU, der Verwicklung der Kommunen in über Kommunen hinausgehende Schieneninfrastrukturplanungen und der Übertragung von Aufsichts- und Genehmigungsaufgaben für nicht bundeseigenen Schienenverkehr auf die Länder ergibt.

Problematisch finde ich aber auch, daß der Besitzer einer Sache (Strecke) gezwungen werden kann, gegen seinen Willen Schienenverkehr zu tolerieren, obgleich er als Eigentümer mit der Sache andere Pläne hat und noch problematischer finde ich, daß sich dann durch kleinliche Differenzen hinsichtlich Pachtpreise drei Jahre wiederum gar nichts tut.

Jetzt steckt die Sache vollends fest und am Ende wird das ganze Gezerre wieder bedeutend mehr gekostet haben, als an Erträgen aus dem Schienenverkehr je erzielbar gewesen wären.

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Heinrich von Hirschfeld: Der Verstand wächst mit seiner Beanspruchung.Ob Philosophie, Philantropie oder Phimose: Die Basis jeder Grundlage ist das Fundament


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Ungelesener BeitragVerfasst: Di 14. Nov 2017, 06:49 
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Lokführer

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Bei der "Posse" ging es der RSE, unterstützt von anderen kleinen Bahn-Unternehmen, eher darum, den Mainzern mal (exemplarisch) ihre Grenzen aufzuzeigen. Aber der Sieg vor Gericht ist ein Pyrrhus-Sieg, denn gegen den Widerstand der wild entschlossenen Kommunen, auf der Trasse einen Fahrradweg zu errichten, wird die RSE am Ende keinen Erfolg haben. Die Kommunen werfen der RSE an allen erdenklichen Stellen Knüppel zwischen die Beine und lassen an ihrem Ziel auch keinen Zweifel aufkommen; mit ihren diversen Möglichkeiten (finanziell und juristisch), das Projekt der RSE zu sabotieren, werden sie am Ende Erfolg haben. Schlussendlich wird die RSE den Abbau der Gleise nur um ein paar Jahre verzögert, aber keinen Schienenbus fahren gelassen haben. Ob das dem Ansehen der Bahnfreunde genützt hat, wage ich mal ernsthaft zu bezweifeln. Man sollte den Kampf in meinen Augen nur dann aufnehmen, wenn man auch Aussicht auf Erfolg hat. Bei der Westeifelbahn ist das von Anfang an nicht der Fall gewesen und schon jetzt hört man in Prüm, dass die Bahnfreunde den gewünschten Fahrradweg sabotieren, ohne ihrerseits mit Fahrten aktiv zu werden. Ich bin oft in der Gegend, und zuletzt hörte ich den Vorwurf, die RSE sabotiere lediglich die touristische Entwicklung der Region.


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Ungelesener BeitragVerfasst: Di 14. Nov 2017, 09:35 
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Naja, aber das ist definitiv auch eine sehr engstirnige Ansicht. Woher nehmen die Kommunen immer diese Bahn-Radwege als Allheilmittel für angeschlagenen Tourismus? Als ob die kein Geld kosten...und Touristen ziehen sie auch nur bei gutem Wetter an....

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„Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.“
Albert Einstein
"Ich bin, wie ich bin. Die einen kennen mich, die anderen können mich...!"
Konrad Adenauer


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Ungelesener BeitragVerfasst: Di 14. Nov 2017, 10:51 
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Generalvertretungsleiter

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Dieselpower hat geschrieben:
Naja, aber das ist definitiv auch eine sehr engstirnige Ansicht. Woher nehmen die Kommunen immer diese Bahn-Radwege als Allheilmittel für angeschlagenen Tourismus? Als ob die kein Geld kosten...und Touristen ziehen sie auch nur bei gutem Wetter an....


Ich hatte dieser Tage Gelegenheit, an einem sehr sonnigen und noch recht warmem Herbstsamstag in Norath ein paar Stunden bei Bekannten in Sichtweite des Schinderhannes-Radweges (ex KBS 606) auf der Terrasse zu sitzen. In drei Stunden kamen zwei Radler vorbei. Die Bekannten, hier ansässig seit der Zeit, als noch Schienenbusse fuhren, bestätigten mir, daß es seit dem ersten Hype nach der Eröffnung des Radweges hier einen beständigen Rückgang der Nutzerzahlen gibt.

Oft seien es nur noch (semi-)professionelle Fahrer, die aber "Strecke" machen wollen und am touristischen Angebot der anliegenden Dörfer kein Interesse haben.

Das einzige Argument, das mich in puncto Bahntrassenradweg überzeugt ist, daß es das letzte Mittel ist, die Gesamttrasse zu erhalten.

Aber auch hier werden Fehler gemacht. Siehe KBS 661 (Bodenheim-Alzey). Durch leichtsinnige Baulandausweisung nach der Stillegung ist die Strecke inzwischen unterbrochen. Die "Rheinhessenautobahn" A 63 und die Bundesstraße 9 und 420 sind zwischen Alzey und Mainz sind tägliche Hauptdarsteller im Verkehrsfunk, schon ab Nieder-Olm oder Nierstein gibt es täglich kilometerlange Staus Richtung Mainz im Berufsverkehr.

Eine Wiederinbetriebnahme der alten KBS 661 könnte täglich hunderte Autofahrer auf die Schiene holen, denn z.Zt. ist die zweite rheinhessische Bahnstrecke Mainz-Alzey auch keine Alternative, denn die Züge sind brechend voll und eine Verdichtung des Taktes scheidet wegen der Eingleisigkeit aus.

Rheinhessen ist eine Wachstumsregion.

Auch das Kastellauner/Pfalzfelder Umland ist wegen der Nähe zu Koblenz eine Wachstumsregion.
Die Hunsrückbahn Emmelshausen-Boppard ist gut ausgelastet, ihre Verlängerung bis Kastellaun würde sich lohnen.

Das gleiche gilt für die exKBS 603. Von Mayen direkt ohne Umweg über Andernach nach Koblenz... auch hier wären die Züge voll.

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Ungelesener BeitragVerfasst: Di 14. Nov 2017, 22:12 
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Lokführer

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Ja, der Schindehannesradweg wird nicht sehr intensiv genutzt, das habe ich auch schon festgestellt. Er hängt aber auch gewissermaßen in der Luft und ist schlecht bzw. gar nicht vernetzt. Ich bin letztes Jahr von Emmelshausen nach Bad Kreuznach gefahren. Hinter Simmern war die Strecke ziemlich unattraktiv und teilweise sogar sehr gefährlich. Absolut nicht zur Nachahmung empfohlen. Dagegen ist das Fahrradwegenetzt der ehemaligen Vennbahn mit ihren Anschlussstrecken höchst attraktiv und auch gut angebunden. Entsprechend intensiv wird das Fahrradwegenetz im deutsch-belgischen Grenzgebiet genutzt. Hier ist wirklich mächtig was los. Beim Ruwertalradweg sieht es ähnlich aus; hier ist auch immer viel los.

Die Verbindung zwischen Kylltal (-Radweg und Bahnhof Gerolstein) mit Prüm macht aus fahrradtouristischer Perspektive wirklich Sinn, zumal der vorhandene ausgeschilderte Fahrradweg unattraktiv und gefährlich ist. Ich hätte ja gerne die Kombilösung gesehen, Fahrradweg und Bahn nebeneinander, aber diese etwas teurere Lösung wurde ja leider verworfen. Ein Lokalpolitiker aus Prüm hat mir den Grund genannt: Man geht von Seiten der beteiligten Kommunen davon aus, dass die RSE gar keinen Betrieb aufnehmen und den Mainzern nur mal die Grenzen aufzeigen will. Demnach wären Mehrkosten für die Kombilösung rausgeschmissenes Geld und damit will natürlich kein Politiker vor die Wähler treten.

Dass eine Trasse, wenn die Strecke erst mal abgerissen ist, durch den Fahrradweg gesichert wird, sehe ich auch als Trostpflaster. Umso ärgerlicher, dass ausgerechnet im Bereich des Bahnhofs Prüm Supermärkte auf der Trasse stehen, die jede Wiederverwendung ausschließen. Hier ist die Chance auf eine mögliche Renaissance leider völlig verbaut, was umso ärgerlicher ist, als dass der Rest des Weges über Pronsfeld, St. Vith und die Vennbahn bis Aachen hindernisfrei ist.


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Ungelesener BeitragVerfasst: Di 14. Nov 2017, 23:51 
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Oberster Betriebsleiter (Admin)
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Aber jetzt mal ehrlich - wie viele hunderte km Radweg auf ex-Bahntrassen soll es denn noch für unsere Spaßgesellschaft geben?
Ich empfinde es jedenfalls als Steuergelderverschwendung...diese zahllosen Bahntrassenradwege!

Wer radeln will, sollte inzwischen mehr als genug Möglichkeiten vorfinden in diesem unseren Blödland...jedes Rad kann nur auf einer Strecke fahren - auf ner anderen fährt es zur gleichen Zeit jedenfalls nicht! Also kann es sich allenfalls verteilen, und jeder Euro, der in der Westeifel gelassen wird, landet nicht an nem anderen Radweg! Es reicht langsam!

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Ungelesener BeitragVerfasst: Mi 15. Nov 2017, 07:24 
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Lokführer

Registriert: Mo 7. Nov 2011, 20:52
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Für mich hat der Erhalt von Bahnstrecken oberste Priorität. Wenn die Gleise aber erst mal weg sind, ist ein Fahrradweg noch das beste Trostpflaster.


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Ungelesener BeitragVerfasst: Mi 15. Nov 2017, 17:12 
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Registriert: Fr 21. Mai 2010, 12:45
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Rolf hat geschrieben:
Für mich hat der Erhalt von Bahnstrecken oberste Priorität. Wenn die Gleise aber erst mal weg sind, ist ein Fahrradweg noch das beste Trostpflaster.


Zumal viele Trassen gleich entwidmet werden... und wenn das erst mal geschehen ist, dann nützt auch der beste Radweg auf der Trasse nicht mehr.


Gruß

Marcus

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Ungelesener BeitragVerfasst: Mi 15. Nov 2017, 22:08 
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Lokführer

Registriert: Mo 7. Nov 2011, 20:52
Beiträge: 289
ETA 517 hat geschrieben:
Rolf hat geschrieben:
Für mich hat der Erhalt von Bahnstrecken oberste Priorität. Wenn die Gleise aber erst mal weg sind, ist ein Fahrradweg noch das beste Trostpflaster.


Zumal viele Trassen gleich entwidmet werden... und wenn das erst mal geschehen ist, dann nützt auch der beste Radweg auf der Trasse nicht mehr.


Gruß

Marcus

Noch nicht, aber wer weiß, was die Zukunft bringt?! Ich halte es zwar für unwahrscheinlich, dass die alten Trassen nochmal benötigt werden, aber vielleicht täusche ich mich und man ist irgendwann doch noch mal froh, dass sie (als Fahrradweg) konserviert wurden. Ich möchte in dem Zusammenhang auf den Fahrradweg Linnich-Baal verweisen. Der liegt auf der alten Bahntrasse und es wird ernsthaft erwogen, auf der alten Trasse wieder eine Verbindung von Linnich zur Strecke Aachen-Mönchengladbach herzustellen. Es wäre sinnvoll und ein Präzedenzfall.


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Ungelesener BeitragVerfasst: Do 16. Nov 2017, 13:18 
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Generalvertretungsleiter

Registriert: Mo 7. Jun 2010, 14:36
Beiträge: 2661
Rolf hat geschrieben:
Ich möchte in dem Zusammenhang auf den Fahrradweg Linnich-Baal verweisen. Der liegt auf der alten Bahntrasse und es wird ernsthaft erwogen, auf der alten Trasse wieder eine Verbindung von Linnich zur Strecke Aachen-Mönchengladbach herzustellen. Es wäre sinnvoll und ein Präzedenzfall.


Gut Rolf, daß Du das für uns alle mit im Auge behältst. Mich würde die weitere Entwicklung nämlich interessieren. So weit im Westen fehlt mir denn doch der eigene Überblick.

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