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 Betreff des Beitrags: Citybahn Mainz - Bad Schwalbach
Ungelesener BeitragVerfasst: Di 12. Dez 2017, 18:25 
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Generalvertretungsleiter

Registriert: Mo 7. Jun 2010, 14:36
Beiträge: 2764
Soeben vermeldete der SWR grünes Licht für das 305-Millionen-Projekt vom Mainzer Hbf über die (historische) Theodor-Heuss-Brücke, den Wiesbadener Hbf bis nach Bad Schwalbach.

Mit 60% Zuschuß durch den Bund rechnen die kommunalen Körperschaften.

http://www.wiesbadener-tagblatt.de/loka ... 385174.htm

Damit ist die Reaktivierung der Aartalbahn (Wiesbaden-Diez) mal wieder in weite Ferne gerückt, denn dieses Citybahnprojekt wird Teile der Aartalbahn zwischen Wiesbaden und Bad Schwalbach benötigen.

Wenn man das ganze weniger eisenbahnhistorisch denn volkswirtschaftlich betrachtet, entspricht die Planung natürlich dem aktuellen Verkehrsbedürfnis. Weiter "oben" im Aartal spielen Bahnalternativen keine gewichtige Rolle mehr, obwohl die Pendlerströme nach Wiesbaden/Frankfurt/Mainz auch vorhanden sind. Die größte Nachfrage aber besteht im engeren Einzugsbereich der hessischen Landeshauptstadt.

Eine weitreichende Konsequenz,über die viel zu wenig nachgedacht wird ist, dass die Speckgürtel der Oberzentren mit solchen Verkehrsmaßnahmen attraktiver (und damit nachgefragter und teurer) werden, die Räume dahinter aber an Infrastruktur und Einwohner verlieren werden.

Urbanisierung - eine im Rhein-Main-Gebiet bedrückende Variante.

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Heinrich von Hirschfeld: Der Verstand wächst mit seiner Beanspruchung.Ob Philosophie, Philantropie oder Phimose: Die Basis jeder Grundlage ist das Fundament


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 Betreff des Beitrags: Re: Citybahn Mainz - Bad Schwalbach
Ungelesener BeitragVerfasst: Di 20. Feb 2018, 22:45 
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Lehrlokführer

Registriert: Mo 24. Mai 2010, 13:18
Beiträge: 646
Wohnort: Schiesheim
Zwar hinter der Bezahl Schranke, aber die Überschrift reicht ja schon.... keine Züge zwischen Diez und Hahnstätten....

http://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/diez_artikel,-der-landesrechnungshof-kippt-die-aartalbahn-aussagen-und-meinungen-zum-thema-_arid,1774340.html


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 Betreff des Beitrags: Re: Citybahn Mainz - Bad Schwalbach
Ungelesener BeitragVerfasst: Mi 21. Feb 2018, 12:18 
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Generalvertretungsleiter

Registriert: Mo 7. Jun 2010, 14:36
Beiträge: 2764
Hier der Gesamttext:

Der Landesrechnungshof kippt die Aartalbahn:
Der Landesrechnungshof positioniert sich klar: Die Reaktivierung der Aartalbahn zwischen Diez und Hahnstätten ist unwirtschaftlich. Ein von den Ausgabenwächtern beauftragtes Gutachten benennt inhaltliche Mängel der Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) und kommt zu der Aussage, eine „wirtschaftlichere Lösung zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs ist möglich“.

Vom Gleis gekippt – der Landesrechnungshof hält die seit Jahren geplante Reaktivierung der Aartalbahn für unwirtschaftlich.

Als Kritikpunkt absehbar waren die Besucherzahlen des im Bau befindlichen Botanischen Gartens in Hahnstätten. Der Rechnungshof resümiert: „Das Ingenieurbüro (nahm) Fahrgastzahlen an, die es aus dem geschätzten Besucheraufkommen (…) hergeleitet hatte. Aufgrund eines Vergleichs u. a. mit dem Luisenpark in Mannheim ging es von 149.300 Besuchern jährlich oder 409 Besuchern täglich aus. Ob diese Zahlen erreicht werden können, ist zweifelhaft. Sachgerechter erscheint ein Vergleich mit in der Nähe gelegenen touristischen Angeboten wie dem Märchenwald Burgschwalbach mit 20.000 Besuchern jährlich. (…) Dadurch wurden die Fahrgastgewinne, die aus künftigen Besuchern der geplanten Einrichtung resultieren können, und damit der Nutzen zu hoch bewertet. Dessen ungeachtet bestehen im Hinblick auf den Baufortschritt und die wirtschaftliche Tragfähigkeit Zweifel an der Realisierung des Projekts.“

Der Rechnungshof kritisiert: „Eine sachgerechte Projektgestaltung setzt ohne Vorfestlegung auf ein bestimmtes Verkehrsmittel mit einem ergebnisoffenen Vergleich aller sich bietenden Möglichkeiten ein. So hätten im vorliegenden Fall Projektvarianten mit Bahn und Bus einander gegenübergestellt werden müssen.“ Das Gutachten des Instituts für Verkehrswesen, Eisenbahnbau und -betrieb (IVE) an der TU Braunschweig präsentiert einen „Alternativvorschlag zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrsangebots gegenüber der geplanten SPNV-Reaktivierung der Aartalbahn“ in Form von Bus-Express-Linien. „Die Orte des Aartals werden in diesem Konzept stündlich im Takt bedient und zugleich gute Umsteigeverbindungen in Diez bzw. Limburg zum SPNV-Netz geschaffen.“ Der im Gutachten angestellte Vergleich der Fahrzeiten: Hahnstätten–Diez per Aartalbahn 14 Minuten, mit dem Expressbus 17 Minuten, mit der bestehenden 567-Buslinie 26 Minuten. Bei einer Verbindung Hahnstätten–Limburg sieht das Gutachten den Expressbus sogar vorn: Bahn 23 Minuten, Expressbus 19 Minuten, Linienbus 45 Minuten.

Eindeutig reagiert der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord: „Der SPNV-Nord wird weiterhin am Ziel der Reaktivierung der Aartalbahn festhalten.“ Sie sei „verkehrs- und klimapolitisch von hohem Wert“, heißt es in der Stellungnahme von Verbandsdirektor Dr. Thomas Geyer weiter, der die Einbeziehung des Güterverkehrs, etwa durch eine Anbindung von Schaefer Kalk, in die Betrachtung fordert. „Der Schienenpersonennahverkehr soll das Rückgrat des öffentlichen Personennahverkehrs bilden“ – diese Leitlinie des rheinland-pfälzischen Nahverkehrsgesetzes müsse auch für die Bevölkerung und die Wirtschaft im Aartal gelten, argumentiert Direktor Geyer weiter und ergänzt: „Die vom Rechnungshof vorgeschlagene Lösung mit zusätzlichen Bussen ist zwar betriebswirtschaftlich günstiger; die Attraktivität des Angebotes wird jedoch alleine hinsichtlich deutlich längerer Fahrzeiten niemals attraktiv genug sein, um eine signifikante Nachfrageänderung zugunsten des ÖPNV zu erreichen.“

Volker Satony, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hahnstätten, bedauert die negative Beurteilung der Reaktivierung durch den Landesrechnungshof. „Das ist schade. Nun müssen wir sehen, was das Land daraus macht“, sagt er.

Matthias Lammert, CDU-Landtagsabgeordneter, kann sich keine Unterstützung weiterer Reaktivierungsbestrebungen durch das Ministerium vorstellen: „Das Urteil des Rechnungshofes ist ziemlich klar, es werden handwerkliche Fehler in der NKU angesprochen“, sagt Lammert und verweist insbesondere auf den fehlenden Vergleich zum Busverkehr. Zwar sei öffentlicher Personennahverkehr im ländlichen Raum immer ein Zuschussbetrieb, „doch wenn Busverkehr, möglicherweise sogar mit Elektrobussen, günstiger, emissionsärmer und flexibler ist, kann eine Bahnverbindung mit Dieseltriebwagen nicht mithalten“. SPD-Landtagsabgeordneter Jörg Denninghoff kann nicht recht nachvollziehen, woher „der Rechnungshof das nötige Selbstbewusstsein (nimmt), dass seine Prognosen für die Wirtschaftlichkeit die richtigen sind? Haben alle anderen Gutachter schlechte Arbeit gemacht?“ Im Hinblick auf die nun ausstehende politische Entscheidung zweifelt er: „Letztlich ist die zu treffende Entscheidung immer eine Wette auf die Zukunft, und die kennt keiner zu 100 Prozent sicher.“ Auch fragt er sich, was die Vorgehensweise des Rechnungshofs für andere Projekte bedeuten kann.

Hier geht's zum Jahresbericht des Landesrechnungshofes

Die Gutachter der TU Braunschweig geben auch eine allgemeine Empfehlung: Projektvarianten mit SPNV-Reaktivierung sollten künftig überhaupt erst erwogen werden, wenn ein Mindestverkehrsaufkommen von 1000 Reisenden pro Streckenkilometer und Werktag zu erwarten sei. Da dieses Nutzeraufkommen auf der Aartalstrecke mit höchstens 785 deutlich unterschritten werde, „hätte sich (…) ein Großteil der entstandenen Planungskosten (bis Ende 2016 bereits über 1,05 Millionen Euro) (…) vermeiden lassen“.

Für das Landeswirtschaftsministerium gibt Staatssekretär Andy Becht folgende Stellungnahme ab: „Die Landesregierung hat die Einschätzung des Landesrechnungshofes zur Aartalbahn zur Kenntnis genommen. Der Vergleich der Kosten der Reaktivierung der Aartalbahn mit denen der Einrichtung eines Busverkehrs geht von der Prämisse aus, dass Straßen bereits verfügbar sind, während Schienentrassen erst wieder instand gesetzt werden müssen. Eine konsequente Anwendung dieses Prinzips würde einen Ausbau des Schienenverkehrs faktisch zum Erliegen bringen. Der Schienenpersonennahverkehr bringt zahlreiche Vorteile, wie die größere Laufruhe, die großzügigere Sitzteilung, Fahrradmitnahme und die Verfügbarkeit von WCs mit sich. Der Schienennahverkehr ist damit ein wichtiges Element für einen attraktiveren öffentlichen Personennahverkehr.“

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 Betreff des Beitrags: Re: Citybahn Mainz - Bad Schwalbach
Ungelesener BeitragVerfasst: Mi 21. Feb 2018, 17:58 
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Lokführeranwärter

Registriert: Mo 6. Mär 2017, 12:31
Beiträge: 196
Ich gehe in puncto der Einschätzung durch den LRH mal von einem Gefälligkeitsergebnis für die Gegner der Aartalbahn und die Autolobby aus. Viel wichtiger scheint mir die letzte Aussage des Vertreters vom Landeswirtschaftsministerium zu sein, der weiterhin auf den SPNV setzt. Nun sollten wir einmal warten, wie die ministerielle Entscheidung ausfällt. Immerhin hat die Bundes-SPD ja großkotzig im Koalitionsvertrag einer möglichen GroKo den Einsatz eines hochrangigen Bahnbeauftragten für den SPNV bundesweit festgeschrieben, der den Bahnverkehr flächendeckend wieder als Aufgabe der Daseinsvorsorge betreiben soll und nicht als Kostenkalkulationsmodell und Spekulationsobjekt.

Was mich allerdings wundert, ist die Tatsache, dass DB Regio sich in all den Jahren der gewonnenen Ausschreibung überhaupt nicht rührt. Denen gehen doch zugesicherte Einnahmen verloren. Oder hat man die etwa bewusst "gewinnen" lassen, weil man von denen keinen Widerstand erwartet? Jedes private EVU hätte längst auf Vertragserfüllung geklagt und den aus der gewonnenen Ausschreibung herrührenden Anspruch auf Erfüllung geltend gemacht. DB Regio scheint das völlig am Arsch vorbei zu gehen.

Vielleicht könnte man da ja einmal recherchieren...


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 Betreff des Beitrags: Aartalbahn Limburg - Hahnstätten
Ungelesener BeitragVerfasst: Mi 28. Feb 2018, 15:39 
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Generalvertretungsleiter

Registriert: Do 20. Mai 2010, 23:53
Beiträge: 2192
Wohnort: Girkenroth/Ww.
Aartalbahn Limburg - Hahnstätten
Grauwacke hat geschrieben:
Was mich allerdings wundert, ist die Tatsache, dass DB Regio sich in all den Jahren der gewonnenen Ausschreibung überhaupt nicht rührt.
Denen gehen doch zugesicherte Einnahmen verloren. Oder hat man die etwa bewusst "gewinnen" lassen, weil man von denen keinen Widerstand erwartet?
Jedes private EVU hätte längst auf Vertragserfüllung geklagt und den aus der gewonnenen Ausschreibung herrührenden Anspruch auf Erfüllung geltend ge-
macht. DB Regio scheint das völlig am Arsch vorbei zu gehen.

Vielleicht könnte man da ja einmal recherchieren...
Hallo Grauwacke,
laut dem bestehenden Verkehrsvertrag gibt es eine Klausel, dass die Verkehrsleistungen von DB Regio Südwest erst ab dem Zeitpunkt zu erbringen sind
und vom ZV SPNV Nord vergütet werden, wenn die "infrastrukturseitigen Voraussetzungen" für den Abschnitt Diez - Hahnstätten geschaffen wurden. In
dieser Hinsicht gibt es keinen "Anspruch auf Erfüllung". Inwieweit die Fahrzeug-Kapazität von Beginn an auf die (zukünftigen) SPNV-Leistungen im Aartal
zugeschnitten waren und jetzt ggf. ein zusätzlicher "Reserve-VT" im Bestand vorhanden ist, kann ich nicht sagen.
Gruß HaPe


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 Betreff des Beitrags: Re: Citybahn Mainz - Bad Schwalbach
Ungelesener BeitragVerfasst: So 4. Mär 2018, 14:07 
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Lokführeranwärter

Registriert: Mo 6. Mär 2017, 12:31
Beiträge: 196
Na dann hat die Ausschreibung zum damaligen Zeitpunkt ja richtig Sinn gemacht, wie man jetzt sieht...


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